Die Stadtpfarrkirche St. Stephan in Baden

Die Stadtpfarrkirche außen

Pfarrkirche außenDie Baugeschichte unserer Pfarrkirche vor dem Neubau am Ende des 15. Jahrhunderts lässt sich nur anhand der noch vorhandenen Bauteile vermuten. Urkundlich erwähnt ist lediglich die Existenz eines Karners (Beinhaus) im Jahre 1258. Da aber schon vor dieser Zeit Priester in Baden gewirkt haben und die Burg Baden sicherlich über eine Kirche oder Kapelle verfügte, kann man annehmen, dass sich bereits gegen Ende des 12. Jahrhunderts auf dem heutigen Platz ein Kirchenbau befand.

Der unmittelbare Vorgängerbau stammt aus der Romanik. Diese Kirche war vermutlich ein dreischiffiger Bau mit zwei niedrigen Türmen zwischen denen sich der Altarraum und die Apsis befanden. Um 1400 wurde mit dem Bau eines gotischen Presbyteriums samt Unterkirche begonnen, das über der romanischen Apsis erbaut wurde und diese schließlich ersetzte. Das Langhaus der Kirche wurde in der zweiten Hälfte des 15. Jahhunderts errichtet, und zwar unter Einbeziehung der romanischen Außenmauern. In diese Zeit fällt auch die Errichtung des Hauptturmes über den beiden bestehenden romanischen Türmen. Diese Arbeiten mussten in diesen unruhigen Zeiten immer wieder unterbrochen werden. Der Hauptturm schließlich wurde nicht vollendet und nur mit einem Satteldach bedeckt. Erst im Jahre 1697, nachdem der Turm in den Türkenkriegen beschädigt wurde, setzte man den heute so typischen barocken Zwiebelhelm auf. Die am nördlichen Vorturm noch vorhandenen Reste einer „Mordgalerie“ erinnern an die Einbeziehung der Kirche in die Verteidigungsanlagen der Stadt. Rätsel gibt uns der im Westen über dem Hauptportal befindliche Turm auf. Der sogenannte „abgeschossene Turm“ ragte einst weit über das Dach hinaus und wurde, wie der Hauptturm, in den Türkenkriegen schwer beschädigt. Erst 1827 erhielt er sein heutiges Aussehen. Man nimmt an, dass auch dieser Turm aus der Zeit der Gotik stammt.

Im 67 Meter hohen Turm befindet sich übrigens die sogenannte Paramentenkammer und die Türmerwohnung, in der noch bis ins 20. Jahrhundert der Mesner gewohnt hat. Die Glockenstube birgt fünf Glocken. Von ihnen überdauerten zwei die Weltkriege: die „Große Glocke“ (2000kg, Ton: H) aus dem Jahr 1832 und die „Litaneiglocke“ (950kg, Ton: e) von 1764. Die drei anderen Glocken wurden 1949 gegossen: die „Marienglocke“ (695kg, Ton: fis), die „Josefsglocke“ (498kg, Ton: gis) und die „Urbaniglocke“ (286kg, Ton: h).

Die Stadtpfarrkirche innen




Einrichtungsgegenstände aus der Zeit der Romanik und der Gotik sind kaum vorhanden. Aus der Romanik finden sich noch Tierköpfe, die unter den Gewölben des Mittelschiffes eingemauert sind. An die Gotik erinnern vor allem der Taufbrunnen und mehrere Engelsfiguren an den Kirchenmauern und am Südtor. Die Zeit nach 1480 bis 1683 steht im Zeichen der Türkenkriege und der Gegenreformation, an der sich die Badener Pfarrer eifrig beteiligten. Daher sind aus der Renaissancezeit nur Grabdenkmähler erhalten, von denen einige an den Säulen der Kirche befestigt sind. Bemerkenswert ist eine Grabplatte in der Josefskapelle für den Badener Pfarrer Vinzenz Bauernfeind (†1517).
Die Türkenkriege von 1529 und 1683 brachten schwere Zerstörungen mit sich. So musste neben dem Aufsetzten der Turmzwiebel vor allem das Innere der Kirche im barocken Stil erneuert werden. Im Laufe des 18. Jahrhunderts erfolgt die Aufstellung mehrerer Seitenaltäre im Langhaus der Kirche: am Beginn jedes Seitenschiffes, der Marienaltar mit der Kanzel, der Sebastianaltar und der Antoniusaltar. Auch die Josefskapelle wird barockisiert. Dort wo heute der Volksaltar steht, errichtet man einen Altar zu Ehren des Hl. Kreuzes, der aber im Jahre 1758 in den ehemaligen Sakristeiraum unter dem Nordturm (Kreuzkapelle) versetzt wird. Zur selben Zeit beendet man den Bau der heutigen Sakristei. Erwähnenswert ist auch, dass der Sebastianaltar von der Badener Bürgerschaft zur Erinnerung an das Pestjahr 1713 gestiftet wurde. Dies wird durch eine Votivtafel bezeugt, die heute über dem Ausgang bei der Sakristei hängt. Im Presbyterium werden die Fenster fast bis zur Gänze zugemauert und ein barocker Hochaltar aufgestellt.

TrogerbildDas Altarbild mit der Darstellung der Steinigung des Hl. Stephanus malt der berühmte Barockkünstler Paul Troger. Auch in der Sakristei hat das Barock seine Spuren hinterlassen: den Altar zu Ehren des Hl. Franz Xaver und der wertvolle barocke Sakristeischrank aus dem Jahr 1743. 
Im Jahr 1880 beginnen umfangreiche Regotisierungsarbeiten. 1893 wird der barocke Hochaltar durch den bestehenden ersetzt. Lediglich das Hochaltarbild verbleibt in unserer Kirche und bekommt seinen heutigen Platz über dem Ausgang bei der Sakristei. Die zugemauerten Fenster im Presbyterium werden wieder geöffnet. Ebenso werden die neugotische Vertäfelung und das Chorgestühl errichtet. Auch die Altäre in den Seitenschiffe, sowie die Josefskapelle und die Kreuzkapelle werden regotisiert. Schmerzlich ist, dass man in diesem Zuge die original gotischen Statuenkonsolen an den Wänden durch neugotische ersetzt hat. Lediglich eine ist erhalten geblieben und im Schiestl-Hof (Ecke Antonsgasse-Annagasse) zu bewundern. Mit der Umgestaltung der Seiteneingänge endet 1913 die Regotisierung der Pfarrkirche. 
In den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts findet eine große Innen- und Außenrenovierung der Kirche statt. Es werden am Nordtor im Zuge der Installierung einer Fernheizung mehrere Räume angebaut. Bei der Innenrenovierung werden – entsprechend den Richtlinien der Liturgiereform des II. Vatikanischen Konzils – der Volksaltar und die heutige Session errichtet. Die neugotischen Altäre in den Seitenschiffen werden entfernt, lediglich die Altarstatuen verbleiben. Auch die schadhaften barocken Kirchenbänke werden durch neue ersetzt. Im Jahr 1989 wird der Altar der Kreuzkapelle schließlich in den Pfarrhof übertragen und dort eine Kapelle eingerichtet. Die alte Kreuzkapelle dient nun als Depot für oft benötigte Sachen, der Raum darüber als Gebets- und Meditationsraum.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts erfolgt im Zuge des Einbaus einer Fußbodenheizung eine weitere gründliche Innenrenovierung. Auch eine Trockenlegung der Außenmauern und Säulen ist erforderlich. Dabei werden auch die Außenmauern des Langhauses renoviert.

Die Orgel der Stadtpfarrkirche

OrgelDie Orgel der Pfarrkirche ist ursprünglich für die Dorotheerkirche in Wien gebaut worden und wird 1787 hierher gebracht. Sie ist ein Werk des bekannten Orgelbauers Hencke aus dem Jahre 1744.

Bei der Renovierung im Jahre 1987 wurden die Originaltasten wieder eingebaut, auf denen schon Mozart und vermutlich auch Beethoven gespielt haben. Mozart hat übrigens sein berühmtes „Ave verum“ für unsere Kirche komponiert.

2005 wurde die Orgel von der Firma Hradetzky abgebaut, generalsaniert und wieder aufgebaut.

Disposition der Orgel:

Hauptmanual: Positivmanual: Pedalwerk:
Principal
Octav
Quint
Super Octav
Mixtur
Cymbel
Bordon
Waldt Fleten
Quinta dena
Spitz Fleten I.
8′
4′
3′
2′
2′ 5fach
1′ 3fach
16′
8′
8′
4′
Gamba
Principal
Octav
Quinta
Mixtur
Copel
Fleten gedeckt
Sesquialtera
Krum Horn
Krum Horn
8′
4′
2′
1 1/2′
1 1/2′ 4fach
8′
4′
2fach
8′ Baß
8′
DiskantContra Baß
Principal Baß
Oktav
Mixtur
Octav Baß
Quinta
Gross Posaun
Octav Posaun
16′
8′
4′
3′ 3fach
8′
6′
16′
8′


Bilder: © R. Weidl, Salzburg 2008